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August 09, 2014

Im Gespräch mit Norbert Näf

Gemeindepräsident Heiden

Norbert Näf ist in Andwil SG mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Nach der kaufmännischen Lehre hat er sich an mehreren Stellen bei den Gemeindeverwaltungen Kirchberg, Waldkirch und Untereggen sowie beim Schweiz. Bundesgericht in Lausanne beruflich weiter entwickelt. Während dieser Zeit bildete er sich zum Grundbuchverwalter, Verwaltungsfachmann und Rechtsagent weiter. 1997 wurde er Gemeindeschreiber in Eschlikon TG, wo es galt, aufgrund der Thurgauer Gemeindereorganisation eine neue Gemeindeverwaltung von Grund auf aufzubauen. Gleichzeitig war in dieser Zeit ein eigentlicher Bauboom im Gang, welcher ihm verschiedene bauliche und raumplanerische Herausforderungen bot. Seit Juni 2005 ist Norbert Näf Gemeindepräsident von Heiden AR, anfänglich in einem 80 %-Pensum, später als Vollamt. In dieser Zeit reorganisierte Heiden den Gemeinderat und die Verwaltung, verstärkte die Zusammenarbeit mit den Gemeinden in der Region, richtete die Tourismusinfrastruktur mehr am Markt aus, hat zahlreiche raumplanerische Ziele erreicht sowie das Label Energiestadt erhalten. Mit einer Fokussierung auf Events (z.B. Dunant-Jahr 2010, Kantonal-Schwingfest, Tour de Suisse) konnte Heiden seine Bedeutung als Tourismusort stärken und hat sich bietende Chancen wahrgenommen. Seit 2007 ist Norbert Näf auch Mitglied des Kantonsrates und seit 2013 Vorsitzender der CVP-/EVP-Fraktion. Er präsidierte die parlamentarische Kommission (PK) für das neue Strassengesetz und aktuell die PK für das Nachtragsgesetz zum Baugesetz, zu dem er mit einem Postulat für einfachere Bauverfahren und die Abschaffung der kommunalen Ortsbildschutzzonen einen Anstoss gab.

1. Welches war Ihr Traumberuf?

Ich wollte Journalist werden. Als Jugendlicher schrieb ich Lagerberichte und verfasste Reportagen über Sportanlässe. Als es aber um die Berufswahl ging, wollte ich lieber gleich arbeiten als weiter zur Schule gehen.

2. Was haben Sie in der Schule für das Leben gelernt?

Ich hatte gute Lehrkräfte, die mir beibrachten, zu mir zu stehen und meinen eigenen Weg zu gehen.

3. Wer hat Sie am meisten gefördert?

Am meisten gefördert hat mich mein Lehrmeister und nach der Lehre die ersten beiden Vorgesetzten.

4. Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit?

Da ist zum einen die riesige Abwechslung. Es kommt vor, dass ich am gleichen Tag mit von Armut betroffenen Menschen und danach mit einem gestandenen Unternehmer im Gespräch bin. Eine Vielzahl von Themen warten auf eine Lösung. Zum andern möchte ich hier auch die anspruchsvolle Führungsaufgabe in einem tollen Team nennen.

5. Was war Ihr grösster beruflicher Erfolg?

Ein Gemeindepräsident hat nie alleine Erfolg. Wir arbeiten grundsätzlich Hand in Hand mit dem Gemeinderat und der Verwaltung. Unvergesslich bleibt sicher das Dunant-Jahr 2010, zu welchem ich den Anstoss geben konnte. Die vielen Anlässe wurden dann von einer Hundertschaft Ehrenamtlicher organisiert und durchgeführt.

6. Welches sind die drei wichtigsten Gründe für Erfolg im Leben?

Wer sich ein Ziel steckt, an sich selber glaubt und sich für das Ziel einsetzt, kann vieles erreichen im Leben.

7. Welche Person ist für Sie ein persönliches Vorbild?

Ein grosses Vorbild ist sicher Nelson Mandela. Er hat für sein Ziel gekämpft und ohne Rachegefühle mit seinen früheren Gegnern eine Demokratie mitgeprägt.

8. Was tun Sie für Ihre Work-Life-Balance?

Ich bewege mich mindestens fünfmal pro Woche eine bis zwei Stunden in der Natur. Die meisten Wochenenden geniesse ich mit meiner Partnerin und/oder mit meinen Kindern. Zudem wohne ich etwas abgelegen und kann so auch eine nur kurze Zeit nutzen, um abzuschalten.

9. Welche gesellschaftlichen Themen sind aus Ihrer Sicht wichtig und welche Herausforderungen und Lösungsansätze sehen Sie darin?

Max Frisch sagte einmal: „Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen“. Das Dilemma in der Schweiz ist, dass wir den Bedarf an Arbeitskräften nicht in der Schweiz allein decken können.  Gleichzeitig hegen wir  eine kritische Haltung gegenüber der steigenden Zahl an Ausländern. Dies ist eine grosse Herausforderung. Die Integrationsbemühungen müssen verstärkt werden. Im Alltag der Gemeinde macht mir zu schaffen, dass immer mehr Menschen  „individualisiert“ denken. Unser Rechts(mittel-)staat ist nicht vorbereitet auf den zunehmenden Egoismus in der Bevölkerung. Es wird häufiger prozessiert und es werden nachbarschaftliche Kleinkriege veranstaltet, welche unsere Institutionen belasten und Millionen von Steuergeldern verschlingen.

10. Welches persönliche Ziel möchten Sie noch erreichen?

Ich möchte unsere Kinder zu selbständig denkenden und handelnden Menschen erziehen. Ich leiste einen Beitrag dazu, Heiden und unseren schönen Kanton für uns und für Gäste aus dem In- und Ausland weiter zu entwickeln. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden besitzt mit dem  Tourismus ein grosses Wertschöpfungspotenzial, das es zu realisieren gilt.

Herr Näf, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

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